DEUTSCHES FASTNACHTMUSEUM

Offizielles Museum des Bundes Deutscher Karneval e.V.

Geschichten vom Clausnarren

Hintergrundgeschichten zu den Exponaten der Dauerausstellung im Deutschen Fastnachtmuseum Kitzingen

Claus von Ranstädt, der „Clausnarr“ - ein „von“ der kein „von“ war
Raum 1 des Deutschen FastnachtMuseums

Unter den bibliophilen Kostbarkeiten des Deutschen Fastnachtmuseums befindet sich die Erstausgabe der Streiche des Clausnarren, Ausgabe von 1558. Sie beinhaltet Histörchen, vorwiegend derber Art, aber auch manche kluge Aussage. Clauslein, wie er liebevoll genannt wurde, galt als körperlich und geistig behindert und ging als Claus von Ranstädt (1455-1530) in die Geschichte ein. Das „von“ heißt nicht, dass er adeliger Herkunft war, sein Geburtsort war Ranstädt bei Meissen, folglich war er ‚von‘ Ranstädt. Schon im Alter von neun Jahren wurde er aufgrund seines absonderlichen Aussehens von Kurfürst Friedrich II. (1412-1464), dem Sanftmütigen, buchstäblich im Vorbeireiten den Eltern abgekauft. Von da ab diente er als Clausnarr drei weiteren Fürsten, auch Friedrich dem Weisen und dem Erzbischof von Magdeburg. Die Spur des Clausnarren verliert sich um das Jahr 1530. 
 
Geschichten um den Clausnarren: Den Kurfürst plagt ein Windlein
Friedrich der Weise (1463-1525) war von Blähungen geplagt. Wenn es dem kurfürstlichen Bauch nicht gut ging, war das gesamte Gesinde in Aufregung. Nach mancherlei Bemühen der Ärzte entfuhr dem kurfürstlichen Hintern schließlich ein Windlein der Erleichterung. Entzückt rief der Medicus: „Kurfürstliche Gnaden, dieses Windlein ist gar zehn Gulden wert!“ Das hörte der Clausnarr und sammelte einen großen starken Wind. Den ließ er in die Stube krachen, sprang freudig herum, schlug fröhlich in die Hände und rief: „Sollte der kleine zehn Gulden gelten, so wird der große wohl hundert Gulden wert sein!“
 
Geschichten um den Clausnarren: Wenn hohe Herren sich beraten
Wieder einmal saß Friedrich der Weise (1463-1525) mit seinen Freunden und Ratgebern zusammen. Die Zeiten waren unruhig, guter Rat nicht nur teuer, sondern auch schwer zu haben.
Nach stundenlangem Beraten, wobei auch der Wein reichlich geflossen war und nicht unbedingt zur Erleuchtung der Herren beigetragen hatte, trat die Versammlung wieder ins Freie. Dort saß der Clausnarr und hatte einen dicken Packen Papier unter dem Arm. Als nun einer der Herrn fragte, was er denn da bei sich trage, antwortet Claus: „Das Ergebnis eurer Beratung, hohe Herren.“ „So, sagte Friedrich, du bist ja ein ganz Kluger, du warst doch gar nicht dabei“, nahm den Packen, blätterte und fand nur leere Blätter …
 
Geschichten um den Clausnarren: Die lautere Wahrheit
Der Clausnarr war nicht nur Unterhalter und in gewisser Weise auch Vertrauter seiner vielen Herren, er wurde, wenn die Herrschaft unterwegs war, auch gerne von den Dienstboten und dem niederen Personal gehänselt und verspottet. Der schlagfertige Claus indes führte eine lockere Zunge und hatte oft die Lacher auf seiner Seite. Die von ihm mit Spott bedachten schlossen sich, als sie die Zeit günstig sahen, zusammen und verprügelten den Clausnarren jämmerlich. Als Friedrich der Weise zurückkam und die Blessuren an Gesicht und Körper seines Narren sah, fragte er: „Cläuslein, wie ist es dir ergangen, sag’ Wahrheit.“ Darauf der Clausnarr: „Ich halte nichts von der Wahrheit mehr, sie steht auf meinem Rücken. Nie bin ich um einer Lüge willen so gestäupt worden, wie um die Wahrheit.“
 
Geschichten um den Clausnarren: Der Rock und die Landesteilung
Die sogenannte Leipziger Teilung von 1485 war eine folgenreiche Entscheidung im mittleren Deutschland des 15. Jahrhunderts. Die Brüder Ernst und Albrecht des Hauses Wettin teilten sich Land und Erbe von Friedrich II. dem Sanftmütigen. Als die Fürsten sich besprachen und teilten, trat Claus hinzu, nahm seinen Mantel ab, und zerschnitt ihn in zwei Teile und sagte seiner Narrenfreiheit gemäß zu den hohen Herrn: „Seht, da dieser Rock noch ganz war, kleidete er wohl und wärmte. Darum lasset die Teilung, ihr habt beide Raum genug im Lande.“ Die Teilung wurde dennoch vollzogen und führte langfristig zu einer Schwächung der Wettiner. Der Clausnarr gehörte zur Erbmasse und war mit 3000 Gulden veranschlagt.

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