DEUTSCHES FASTNACHTMUSEUM

Offizielles Museum des Bundes Deutscher Karneval e.V.

Der Spielstein mit dem nackten Männchen

Hintergrundgeschichten zu den Exponaten der Dauerausstellung im Deutschen Fastnachtmuseum Kitzingen

Der Spielstein mit dem nackten Männchen
Raum 1 des Deutschen Fastnachtmuseums

In der ersten Vitrine links befindet sich, unscheinbar zwischen bibliophilen Kostbarkeiten, ein kleiner runder Spielstein von etwa 4 cm Durchmesser. Beim genaueren Hinsehen erkennt der Betrachter ein nacktes, kahlköpfiges Männlein, das auf einer Wippe steht und eine Keule schwingt. Nackt, weil sündig. Bezüge zur Heiligen Schrift und zu Psalmen-Illustrationen sind unverkennbar. Auch erinnert die Darstellung an die jüdische Legende vom Narren Markolf, der mit erhobener Keule (der späteren Marotte) vor dem weisen König Salomo steht und mit diesem über die Existenz Gottes streitet. Der Spielstein wird der Salierzeit (11. / 12. Jahrhundert) zugeordnet.

Bei dem Exponat handelt es sich um die Replik einer Replik, die sich im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz befindet. Das aus einem Knochen geschnitzte Original wurde im frühen 19. Jahrhundert bei Bauarbeiten in Mainz gefunden. 1844 erwarb das damalige Altertumsmuseum den Spielstein und ließ zum Glück eine Replik anfertigen. Das Original ging im Zweiten Weltkrieg verloren.  
(Text: Hans Driesel)

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